Rostock: Prügelnde Neonazis von Polizisten geschützt

Von Theo Schneider

Den »bedeutendsten« rechten Aufmarsch seit 1945 sollte es am Samstag in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) laut einer einflußreichen Neonaziwebsite geben (siehe jW vom Wochenende) – es kamen allerdings nur 150 Anhänger der rechtsextremen NPD und sogenannter freier Kameradschaften. Die Rechten wurden von einem Großaufgebot der Polizei von Gegendemonstranten abgeschirmt. Gegen die Neonazidemo protestierten mit einer Gegenkundgebung und einem Bürgerfest mehr als 600 Menschen. Anlaß des rechten Aufzuges waren die Proteste von Anwohnern und Antifaschisten gegen ein neues Bekleidungsgeschäft der Neonaziszene im alternativen Stadtteil Kröpeliner-Tor-Vorstadt.

Udo Pastörs

Um beide Lager voneinander zu trennen, war die Polizei mit 2000 Beamten aus sieben Bundesländern und mehreren Wasserwerfern im Einsatz. Die Gegenkundgebung unter dem Motto »Schöner leben ohne Naziläden«, organisiert vom Bündnis »Bunt statt braun«, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und den Rostocker Grünen verlief dennoch ohne Zwischenfälle. Eine Spontandemonstration junger Antifaschisten wurde von der Polizei unterbunden, einzelne Sitzblockaden auf der NPD-Strecke wurden umgehend aufgelöst.

Unmittelbar vor den Demonstrationen war es in Pölchow bei Rostock zu einem brutalen Angriff von Neonazis auf Gegendemonstranten gekommen. Etwa 70 Antifaschisten, die auf dem Weg zu den Protesten waren, stiegen in einen Zug in Richtung Hauptbahnhof, in dem sich bereits etwa 100 NPD-Anhänger befanden. Diese griffen mit äußerster Brutalität an und verletzten mehr als 20 Personen, einige von ihnen schwer. Unter den Rechten befanden sich auch die NPD-Landtagsabgeordneten Udo Pastörs (auf dem Foto rechts, im Gespräch mit der Polizei auf dem Rostocker Bahnhof am Samstag), Stefan Köster und Tino Müller.

Die Bundespolizei bestätigte den Vorfall und sprach von sieben Verletzten »aus beiden Lagern«. Nach Polizeiangaben laufen Ermittlungen gegen 17 rechte und 37 linke Veranstaltungsteilnehmer wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Betroffene kritisierten gegenüber jW die Polizei. Die Beamten hätten die rechten Angreifer weitgehend unbehelligt gelassen. Diese hätten dadurch später ungestört am NPD-Aufzug teilnehmen können. Nach Aussage von Augenzeugen haben Beamte darüber hinaus Geschädigte verhöhnt. Auch die in Mecklenburg-Vorpommern aktive Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, Lobbi e.V., erklärte am Sonntag, die Neonazis seien eindeutig die Angreifer gewesen. Die Rechten hätten mit Zaunlatten auf ihre Opfer eingeprügelt. Ein Angegriffener sei »über einen Zaun eine mehrere Meter tiefe Böschung hinuntergeworfen« worden. Zudem seien mehrere Personen bewußtlos geschlagen worden, berichtete Lobbi.

(Siehe auch Abgeschrieben)

Quelle: JungeWelt (http://www.jungewelt.de/2007/07-02/015.php)

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