NPD will keine schwarzen Blöcke

Neofaschistische Partei hat Sorge vor Image als Bürgerschreck. Kritik an Militanz der Kameradschaftsszene
Von Kai Budler, Theo Schneider

Der Konflikt zwischen der neofaschistischen Partei NPD und den sogenannten Autonomen Nationalisten, der mitunter auch gewaltsam ausgetragen wird, hat eine neue Stufe erreicht. In einem parteiinternen Rundschreiben der NPD vom 15. August hat sich die Partei offiziell von der Formierung Rechtsextremer zum »Schwarzen Block« auf Demonstrationen distanziert. Auslöser dürfte der Aufmarsch von NPD und militanten Kameradschaftern in Frankfurt am Main am 7. Juli gewesen sein, bei der es zwischen NPD-Ordnern und den Teilnehmern eines schwarzen Blocks zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen war.


In der Erklärung bezeichnet das Präsidium der NPD den schwarzen Block als »anarchistische Erscheinungsform« und attestiert seinen Nachahmern in der Neonaziszene Bewunderung für »das Auftreten der antifaschistischen Steigbügelhalter des Systems«. Indem Optik, Sprache, Parolen und Inhalte des Gegners kopiert würden, könne man keine potentiellen Wähler gewinnen, sondern verschrecke sie lediglich. Stattdessen skizziert das Parteipräsidium noch einmal die eigene Linie mit Bürgerberatung, Organisation von Kinderfesten und Unterwanderung von Initiativen. Daß diese Konfrontation in die Vorbereitung der Landtagswahlen in Niedersachsen fällt und damit gravierende Folgen haben kann, scheint der NPD bewußt zu sein. Auch auf die Gefahr hin, künftig mit geringeren Teilnehmerzahlen bei Aufmärschen rechnen zu müssen, sei man nicht bereit, die »Provokation als Selbstzweck« weiter zu tolerieren.

In der Kameradschaftsszene wird der Beschluß nicht bloß als Kritik der Aktionsform, sondern als direkter Angriff gewertet. Der NPD wird im Gegenzug vorgeworfen, zu wenig radikal und nationalsozialistisch zu sein. Es handele sich bei der Führung um »Menschen, denen das Parteibuch irgendwann wichtiger geworden zu sein scheint als der Glaube an die Sache«, heißt es in einer Reaktion auf das NPD-Schreiben. »Sollten die Kreis- und Landesverbände der NPD der Präsidiumserklärung nicht widersprechen, müsse jede Unterstützung der Partei beendet werden«.

Quelle: Junge Welt (http://www.jungewelt.de/2007/08-22/003.php?sstr=)

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