Antifaschistische Proteste gegen NPD-Marsch durch Berlin

Von Theo Schneider

Berlin. Rund 800 Menschen protestierten am Samstag im Berliner Bezirk Neukölln gegen einen Aufzug von rund 500 Neonazis, die aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren. Mit zahlreichen kleinen Blockaden versuchten Antifaschisten, den Aufzug der Rechten zu stoppen, die für ein »nationales Jugendzentrum« aufmarschiert waren (jW berichtete am Wochenende). 850 eingesetzte Polizisten bahnten den Rechtsextremen ihren Weg.

Anders als in den Vorjahren beteiligte sich in diesem Jahr die NPD massiv an der Mobilisierung zum Aufmarsch. Beobachter sehen dies als Grund für die hohe Teilnehmerzahl, bei den vorangegangenen Versuchen waren es nie mehr als 150 Demonstranten. Unter den Neonazis befanden sich auch der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt sowie führende NPD-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Ungestört konnten die Rechten jedoch nicht marschieren. Rund zehn Blockaden waren zeitweilig auf der Marschroute der Neonazis. Einige umgestürzte Tonnen auf der Fritz-Erler-Allee sorgten für einen Auffahrunfall und führten zu einer kurzen Verzögerung. Bereits die Anreise hatte sich für die Neonazis als schwierig dargestellt: Zehn von ihnen wurden am S-Bahnhof Treptower Park von Autonomen attackiert, fünf von ihnen mußten anschließend ins Krankenhaus. Auch am U-Bahnhof Neukölln spielten sich ähnliche Szenen ab. Nach Polizeiangaben kam es zu insgesamt 15 Festnahmen wegen Landfriedensbruchs und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Ein Polizist sei verletzt worden.

Bei der zentralen Gegenkundgebung am Versammlungsort der Neonazis beteiligten sich neben Parteien, Gewerkschaften und Antifa-Gruppen auch prominente Teilnehmer wie der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD) und der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi. Beide bekräftigten die Forderungen nach einem Verbot der NPD.

Quelle: Junge Welt (http://www.jungewelt.de/2007/12-03/022.php)

Neonaziaufmarsch in Berlin erregt Gemüter

Antifaschisten wollen Rechtsextreme am Sammelpunkt blockieren. Sechs Protestveranstaltungen
Von Theo Schneider

Rechte »Kameradschaftler« und die NPD wollen am Samstag in Berlin wieder einmal für ein »nationales Jugendzentrum« marschieren. Waren die Neonazis in den Vorjahren immer durch den Stadtteil Treptow-Köpenick gezogen, steht dieses Mal der Bezirk Neukölln auf dem Programm. Bereits seit Wochen mobilisieren Lokalpolitiker, Prominente, Gewerkschaften, Parteien, Antifagruppen und weitere Initiativen gegen dieses Vorhaben.

Insgesamt sechs Protestveranstaltungen sind am Samstag gegen den rechten Aufzug im Berliner Südosten angemeldet. Ein breites Bündnis mobilisiert zum Auftaktort der Neonazis, dem U-Bahnhof Rudow. Ziel sei es, »die Nazis gar nicht erst loslaufen zu lassen«, sagte eine Sprecherin des Bündnisses »Antifa-Event statt Nazi-Advent« zu jW. Mit einer Großkundgebung soll den Rechten Paroli geboten werden, eine »Müllcombo gegen rechts« will akustisch dafür sorgen, daß die Neonazis die Reden ihrer Anführer erst gar nicht verstehen. Die Neofaschisten beabsichtigen, über die Gropiusstadt nach Britz-Süd zu marschieren. Dort befindet sich auch ein Jugendclub des Verbandes »Die Falken«, der bereits seit Jahren von Rechten angefeindet wird.

Neu ist, daß die Neonazis zu diesem Aufmarsch nicht nur in Berlin, sondern auch in Ostdeutschland mobilisiert haben. Beobachter rechnen damit, daß erstmals mehr als die üblichen 150 Demonstranten kommen. Bereits am Freitag wollten Antifaschisten durch den Neuköllner Ortsteil Rudow ziehen.

Info: Großkundgebung am Samstag, 10.30 Uhr, Berlin, U-Bhf. Rudow. Weitere Infos unter mbr-berlin.de sowie antifa-dezember.de.vu/

Quelle: Junge Welt (http://www.jungewelt.de/2007/12-01/039.php)