Neues Bündnis gegen rechts

Institutionen und Parteien gründen Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt

NEUKÖLLN. Nach rassistisch motivierten Brandanschlägen in Rudow im Frühjahr 2008 nehmen seit dem vergangenen Jahr auch Anschläge mit rechtsextremem Hintergrund im Norden des Bezirks zu. Eine neue Initiative will dagegen Zeichen setzen.

Eine Reihe von Anschlägen, die vermutlich der rechtsextremen Szene zuzuschreiben sind, wurde auch in jüngster Zeit im Bezirk verübt. Erst am 26. Januar schlugen Neonazis wieder zu, dieses Mal in der Geschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen in der Berthelsdorfer Straße 9. Sie beschmierten Rollläden mit Parolen, die einen eindeutigen Zusammenhang mit dem geplanten Nazi-Aufmarsch in Dresden am 13. Februar herstellen. Bereits im Dezember 2009 war bei einem Anschlag Klingel- und Schließanlage der Geschäftsstelle beschädigt worden. Für den Vorstandsvorsitzenden Jochen Biedermann steht fest: „Die massive Häufigkeit der Anschläge im Norden Neuköllns hat eine neue Qualität erreicht.“
Bereits Ende 2009 haben sich die Grünen deshalb einem neuen Bündnis angeschlossen, das aus den Reihen der SPD ins Leben gerufen wurde – dem „Bündnis Neukölln – Miteinander für Demokratie, Respekt und Vielfalt“. Diesem gehören zahlreiche Organisationen aus dem Bezirk an, darunter die AWO Berlin Kreisverband Südost, die Bürgerstiftung Neukölln, die Abteilung Jugend des Bezirksamtes sowie Vereine, Gewerkschaften und mehrere Gemeinschaften der Evangelischen Kirche. Begleitet und beraten wird das neue Bündnis von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) sowie vom Polizeiabschnitt 56. „Wir treffen uns einmal wöchentlich, um Aktionen zu organisieren, mit denen wir die Öffentlichkeit informieren und zu Diskussionen einladen können“, berichtet Ilknur Gümüs vom Verein Interkulturelles Beratungs- und Begegnungs-Centrum (IBBC). Ziele des Bündnisses seien der Austausch über aktuelle demokratiegefährdende Entwicklungen im Bezirk, die Vernetzung aller Akteure gegen Rechtsextremismus sowie die Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten mit Protest-Aktionen und Kampagnen. Des Weiteren sollen Maßnahmen für Jugendliche, die rechtsextremistische Tendenzen zeigen, gefördert werden. Die erste Veranstaltung dieser Art ist eine szenische Lesung des Stücks „Ab heute heißt du Sara“ von der Autorin Inge Deutschkron mit Schauspielern des Grips-Theaters am 18. Februar in der Evangelischen Schule in der Mainzer Straße.

Über Hintergründe aufklären
In der Lesung berichtet Deutschkron von ihren Erfahrungen während der nationalsozialistischen Herrschaft in Berlin. Bei der anschließenden Diskussion mit den Schülern greifen Mitglieder des Bündnisses den Nationalsozialismus in seinem historischen Kontext auf, um über die Hintergründe rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten im Bezirk aufzuklären. „Die Veranstaltung bildet den Auftakt einer Reihe von weiteren Aktionen in Neuköllner Schulen und Jugendeinrichtungen, die in nächster Zeit stattfinden werden“, berichtet Ilnur Gümüs. Sie sucht noch einen Schirmherren für das Bündnis und fordert auch Unternehmer und Privatpersonen aus Neukölln auf, sich diesem anzuschließen. „Wir sind jederzeit offen für weitere Mitglieder, die zeigen wollen, dass sich die gesellschaftliche Mitte des Bezirks gegen die Nazis stellt“, betont sie. syri

Weitere Infos zum Thema gibt es unter www.ibbc-berlin.de.

Quelle: Berliner Woche (Ausgabe 10. Februar 2010)

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