„Wannsee Front“ in Rudow?

01.11.2011 – Anhänger von lokalem Berliner Fußballverein rufen rechtsextreme Parolen – unter den Fans war am Spieltag auch ein bekannter Neonazi.

Der im Süden Berlins gelegene Ortsteil Rudow im Bezirk Neukölln galt lange Zeit als eine Hochburg für rechtsextreme Aktivitäten in der Stadt. In den letzten Monaten war es hier jedoch deutlich ruhiger geworden. Am vergangenen Wochenende kam es nun zu gleich zwei Vorfällen mit rechtem Hintergrund in Rudow.

Wie die Polizei berichtet, kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag zu einem rassistischen Angriff im U-Bahnhof Rudow. Vier Männer seien gegen 1.45 Uhr mit volksverhetzenden Rufen wie „Ausländer raus“ auf die Zwischenebene des Bahnhofs marschiert und griffen einen 24-jährigen Imbissbetreiber mit türkischem Migrationshintergrund und dessen Begleiter an. Sie bewarfen ihn mit Flaschen und besprühten beide Personen mit Pfefferspray. Die Angegriffenen mussten zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Neonazi-Fanclub des Hertha BSC
Am Sonntag kam es in Rudow dann erneut zu Zwischenfällen im Rahmen eines Berlin-Liga Spiels zwischen Tennis Borussia Berlin gegen den TSV Rudow 1888 auf dem Fußballplatz in der Stubenrauchstraße. Während Fans des TeBe Pyrotechnik abbrannten, riefen Anhänger des TSV rechtsextreme Parolen und warfen Bierbecher auf die Gästefans. Die Polizei musste dazwischen gehen. Auf dem Heimweg wurden die TeBe-Anhänger erneut mit rechten Sprüchen provoziert und nach Polizeiangaben „vereinzelt mit Steinen“ beworfen. Wieder musste die Polizei einschreiten.

Unter den Anhängern des TSV befanden sich an diesem Sonntag neben dem bekannten Neonazi Marek P., der im August 2006 an einen brutalen Überfall auf einen Stand der Linkspartei am U-Bahnhof Rudow beteiligt war, auch Personen mit der Aufschrift „Wannsee Front“ auf der Kleidung, bei der es sich um einen Neonazi-Fanclub des Hertha BSC aus den 80er/90er Jahren handelte.

Rechtsextremist als „Platzordner“ eingesetzt
Die Abteilungsleitung der Fußballer des TSV Rudow distanziert sich am Montag in einer Stellungnahme „mit aller Entschiedenheit von diesen Personen sowie deren Gesinnung“ und betont „dass es sich hierbei weder um Fans noch um Anhänger“ des TSV handele. Inwiefern dies der Realität entspricht bleibt zweifelhaft, denn am Spieltag war auch der bekannte Rudower Rechtsextremist Thomas Sch. – bekleidet mit „Thor Steinar“-Hose – vom Verein als „Platzordner“ eingesetzt.

Sch. wird dem Umfeld der Neuköllner NPD zugerechnet und beteiligte sich im Juni 2006 an einem versuchten Angriff auf eine antifaschistische Veranstaltung im brandenburgischen Rangsdorf. Zudem ist Sch. regelmäßig bei rechtsextremen Veranstaltungen anzutreffen, zuletzt bei einer NPD-Saalveranstaltung im Mai 2010 in Britz.

Der Stadionsprecher distanzierte sich nach Abpfiff des Spiels am Sonntag von den Neonazis und hoffte, dass dies nicht zur Normalität beim TSV werden möge.

Quelle: Blick nach rechts (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/wannsee-front-in-rudow)

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