Der „Henker“ ist Geschichte

01.04.2014 – Am Wochenende haben die Betreiber Berlins bekanntesten Neonazi-Treff geräumt. Auch andere rechte Strukturen verschwinden aus der „braunen Straße“.

Leer geräumt: Berlins beliebteste Neonazi-Kneipe „Zum Henker“; Photo: Th.S.
Leer geräumt: Berlins beliebteste Neonazi-Kneipe
„Zum Henker“; Photo: Th.S.

Solidarität wird in der rechten Szene offensichtlich kleingeschrieben. Anders lässt sich kaum erklären, warum beim Auszug der einst überregional populärsten Berliner Neonazi-Kneipe „Zum Henker“ am vergangenen Wochenende helfende Hände Mangelware waren. Der ehemalige Wirt der rechten Kaschemme in der Schöneweider Brückenstraße, Paul Stuart Barrington, musste seinen Laden mit wenigen Helfern selbst leer räumen. Übrig bleibt eine ramponierte Ladenzeile, Fenster durch massive Metallplatten ersetzt und beschmiert mit unleserlichen Zeichen, wo vorher NPD und Kameradschaften Veranstaltungen und bierselige Zusammenkünfte abhielten. Zeitweise war der „Henker“ Berlins zentraler Neonazi-Treffpunkt.

Und er prägte den Berliner Ortsteil Niederschöneweide mit seiner Eröffnung im Februar 2009 nachhaltig. Zur damals ohnehin schon hohen Neonazi-Dichte in dem Kiez kamen nun mitunter bundesweit angereiste Aktivisten in den „Henker“ und machten durch rechte Parolen und Gewaltvorfälle auf sich aufmerksam. Neonazi-Gruppen hielten hier ihre Treffen ab, wie die verbotenen Vereine „Frontbann 24“ und die Berliner Sektion der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“. Die regelmäßige rechte Präsenz steigerte offenbar die Attraktivität des Kiezes in einschlägigen Szenekreisen, sogar Wohngemeinschaften im näheren Umfeld wurden gegründet. Selbst der amtierende NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke zog mit seiner damaligen Lebensgefährtin Maria Fank in die Straße, die schnell den Ruf der „braunen Straße von Berlin“ bekam.

Berliner Neonazi-Szene verliert fast alle offenen Treffpunkte
Das lag auch daran, dass mehrere Geschäfte im Kiez und vor allem in der Brückenstraße dem „Henker“ folgten. Einrichtungen die entweder das braune Milieu bedienten oder diesem entsprangen, wie der Militaria- und Waffenladen „Hexogen“ des Berliner NPD-Chefs Schmidtke, ein so genannter „Sozialer Buchladen“ oder ein Rocker-Treffpunkt des „Gremiums MC“ mit ehemaligen Neonazis in seinen Reihen und rechten und rechtsoffenen Konzerten. Durch die Konzentration rechtsextremer Strukturen in dem Kiez verfestigte sich die Wahrnehmung von Schöneweide als ein Angstraum für potenzielle Opfer rechter Gewalt.

Doch die „braune Straße“ ist nun offenbar Geschichte. Nach jahrelangem Druck von Antifa-Gruppen und zivilgesellschaftlichen Bündnissen sowie unterschiedlichsten Protestaktionen mit teilweise mehreren tausend Teilnehmern verliert die Berliner Neonazi-Szene fast alle ihre offenen Treffpunkte im Kiez. Der Vermieter des „Henker“ kündigte der Kneipe schon 2013 (bnr.de berichtete), deren Betreiber Anfang dieses Jahres mit ihrem Widerspruch vor Gericht endgültig unterlagen. (bnr.de berichtete) Dem „Sozialen Buchladen“ wurde bereits zuvor gekündigt, dem Rocker-Clubhaus „Dark7Side“ mittlerweile ebenfalls. Schmidtkes „Hexogen“ wird auch schließen und in nächster Zeit geräumt. Der Laden rentierte sich offenbar nicht mehr, nachdem durch die Stigmatisierung die Kundschaft fernblieb.

Entwarnung will Kati Becker vom zivilgesellschaftlichen Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick aber nicht geben, obwohl sie sich über den Erfolg freut: „Dass wir als Zivilgesellschaft durch unseren Druck tatsächlich die Schließung nahezu aller rechter Läden erreichen würden, haben wir nicht erwartet und sind nun um so glücklicher, dass dieser Schritt gemacht ist. Die rechte Szene ist aber noch immer in Schöneweide zu Hause und wird sich andere Treffpunkte und Aktionsfelder suchen.“

Quelle: Blick nach Rechts (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/der-henker-ist-geschichte)

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