NPD-Hetze mit „Bürgern“

09.04.2014 – Im Berliner Ortsteil Adlershof versuchten Bezirkspolitiker am vergangenen Freitag und am Montag auf Informationsveranstaltungen bei den Anwohnern Ressentiments gegen Asylbewerber und eine geplante Unterkunft dort zu zerstreuen. Genau das Gegenteil hatte die NPD im Sinn, die an beiden Tagen vor der Tür agitierte.

Johlende und gröhlende Teilnehmer bei der NPD-Kundgebung in Berlin-Adlershof; Photo: Th.S.
Johlende und gröhlende Teilnehmer bei der NPD-
Kundgebung in Berlin-Adlershof; Photo: Th.S.

Um tumultartige Szenen wie in Berlin-Hellersdorf im vergangenen Sommer verhindern, führt der Bezirk Treptow-Köpenick im Vorfeld bei Neueröffnungen von Sammelunterkünften für Asylsuchende Informationsabende als nichtöffentliche Veranstaltung durch, zu denen nur unmittelbare Anwohner Zutritt erhalten. Bereits Ende 2013 im Allende-Viertel im Berliner Stadtteil Köpenick war diese Strategie aufgegangen, da organisierte Neonazis bei den drei Veranstaltungen nicht zum Zuge kamen und Ressentiments der Anwohner durch Fakten und Argumente in unaufgeregter Stimmung begegnet werden konnten.

Ähnlich verhielt es sich jetzt auch in Berlin-Adlershof, wo ab Juni eine Sammelunterkunft in der Radickestraße eröffnen soll. Unter den 140 Teilnehmenden am Freitag war ungefähr ein Drittel gegen die geplante Unterkunft. Vereinzelte Pöbeleien von Unterstützern der rechtsextremen Facebookseite „Nein zum Heim in Köpenick“, die nach dem selben Prinzip wie die Seiten „Bürgerbewegung Hellersdorf“ oder „Nein zum Heim in Lichtenberg“ aufgebaut ist, konnten die Stimmung nicht aufheizen und den Fragen der Anwohnern wurde sachlich entgegnet.

Fußballfans und tschechische Neonazis dabei
Allerdings lassen sich wohl nicht alle Teilnehmer von Argumenten überzeugen: Offenkundige Rassisten und rechte Sympathisanten wetterten noch am Abend frustriert auf der Facebookseite gegen die Veranstaltung und das Podium. Einige Besucher der Veranstaltung vom Freitag standen am Montag dann sogar bei der NPD, die an beiden Tagen vor dem Veranstaltungsort eine Kundgebung durchführte. Während am Freitag zunächst nur zehn bekannte Neonazis um den NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke mit einer kleinen Gruppe von Anwohnern gegen Asylsuchende wetterten, steigerte sich die Teilnehmerzahl am Montag auf rund 40 Personen.

Erschienen waren am Montag auch eine Gruppe Fußballfans aus dem Umfeld des BFC Dynamo sowie eine Delegation der tschechischen Neonazi-Partei DSSS. Nach den Redebeiträgen von Schmidtke, der Berliner RNF-Vorsitzenden Maria Fank, dem NPD-Funktionär Josef Graf sowie Ronny Zasowk aus dem Bundesvorstand der NPD johlten und gröhlten die meist kahlgeschorenen Teilnehmer der braunen Kundgebung, reckten ihre Arme in die Höhe und posierten für Handyfotos. Der Berliner Neonazi David G. zog währenddessen durch die Reihen und sammelte Kontaktdaten der Anwesenden.

Das Beispiel aus Berlin-Adlershof belegt ein weiteres Mal, dass die Strategie der Neonazis, mit einer fiktiven „Bürgerinitiative“ auf Facebook die Stimmung im Umfeld von Asylunterkünften beeinflussen zu können, nur dann aufgeht, wenn auch ein entsprechendes rechtsoffenes Sympathisantenumfeld vor Ort existiert. In den Berliner Bezirken Neukölln und Pankow waren die Bemühungen mangels lokaler Verankerung und Resonanz gescheitert. Die beiden Abende in Adlershof zeigen jedoch auch, dass ein gewisser Teil von Anwohnern offenbar dankbar die rechte Hetze aufnimmt. Auf Facebook verleitete das die Betreiber der Seite sogar dazu, ihre Maske fallen zu lassen, als sie trotz der überschaubaren Anzahl jubelten: „Den Bürgern ist es egal, ob die Nazikeule geschwungen wird…sie schließen sich der NPD-Kundgebung an!!!“

Quelle: Blick nach Rechts (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/npd-hetze-mit-buergern)

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