Braune Hass-Händler auf der Anklagebank

30.01.2015 – Über das „Thiazi-Forum“ verkaufte ein Berliner jahrelang Neonazi-Musik. Seit Donnerstag steht er mit seinen Helfern vor Gericht.

Berliner Neonazis müssen sich vor dem Landgericht verantworten; Photo: T.Sch.
Berliner Neonazis müssen sich vor dem
Landgericht verantworten; Photo: T.Sch.

Drei Neonazis müssen sich seit dem gestrigen Donnerstag vor dem Berliner Landesgericht wegen des gewerbsmäßigen Vertriebes von volksverhetzenden und NS-verherrlichenden Tonträgern verantworten. In der Anklage wird David H. als Haupttäter und Stefan S. (beide aus Berlin-Marzahn) sowie Denis Sch. aus dem brandenburgischen Mellensee als Komplizen vorgeworfen, im Zeitraum zwischen 2007 bis 2012 vor allem über das rechtsextreme „Thiazi-Forum“ diverse zum Teil verbotene CDs von Neonazi-Bands angeboten und auch verkauft zu haben. Das „Thiazi-Forum“ war bis 2012 eine der zentralen Kommunikationsplattformen der deutschen Neonazi-Szene, bis das BKA mit einer bundesweiten Razzia gegen die Betreiber, und später auch einige Nutzer vorging. Seit Ende letzten Jahres läuft in Rostock der Prozess gegen die vier Hauptverantwortlichen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. (bnr.de berichtete)

Der arbeitslose Garten-Landschaftsbauer David H. (38) war zwar nur Nutzer des Forums, bot aber dort regelmäßig sein breites Sortiment an Rechtsrock-CDs an. Aufgrund der Fülle dauerte die Verlesung der über 90-seitigen Anklageschrift vor der Berliner Staatsschutzkammer auch mehr als zwei Stunden und gab tiefe Einblicke in das braune Musikgenre: Bands mit Namen wie „Gestapo“ oder „Arisches Blut“ glorifizieren mit Titeln wie „Heil dem Führer“ oder „Adolf Hitler lebt“ den Nationalsozialismus und hetzen in ihren Liedern teilweise auf widerlichste Art gegen die szeneüblichen Feindbilder. Nicht selten sind die Cover mit verbotenen Symbolen wie Hakenkreuzen, Sigrunen oder Hitlerbildern dekoriert.

Obwohl die Polizei schon im März 2009 bei einer Razzia diverse CDs bei H. beschlagnahmte, setzte der seinen Handel ungebremst fort. Es folgte eine weitere Durchsuchung im Juli 2010, mittlerweile hatte H. das Label „Nacht und Nebel Records“ sowie mit Denis Sch. (32) und dem gesondert verfolgten Roman Richard N. den so genannten „Wearwolf-Versand“ ins Leben gerufen. Die Beamten beschlagnahmten damals rund 6500 Tonträger, fanden bei Sch. zudem einen „Polenböller“. (bnr.de berichtete) Und wieder ließ sich H. nicht abschrecken, organisierte sich wieder volksverhetzende Musik, um diese über „Thiazi“ zu vertreiben. Diesmal fungierte jedoch der arbeitslose Maurer Stefan S. (32) als Mittelsmann, stellte dafür sein Bankkonto zur Verfügung und übernahm den Versand. Es folgten weitere Durchsuchungen und Beschlagnahmungen im Mai 2011 und Dezember 2011. Immer wieder stellte H. neue Verkaufslisten ins Netz.

Jetzt könnte ihm dafür sogar eine Haftstrafe drohen, allerdings scheint das unwahrscheinlich, da das Gericht signalisierte, das Verfahren abzukürzen zu wollen und auf eine Verständigung mit den beiden Szeneanwälten Wolfram Nahrath und Andreas J. setzt. Denis Sch. konnte unterdessen den Gerichtssaal vorzeitig verlassen, sein Verfahren wurde abgetrennt und aufgrund einer anderen Verurteilung eingestellt. Er gilt in der rechtsextremen Szene als Verräter, weil er nach einem brutalen Angriff mit der Polizei kooperiert und Komplizen angeschwärzt haben soll.

Quelle: Blick nach Rechts (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/braune-hass-h-ndler-auf-der-anklagebank)

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